Klimadrama seit Jahren
Das Klimadrama Er ist seit Jahren das Gesicht des Hamburger Wetters: Frank Böttcher. Der Moderator und Leiter des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation versorgt mit seinem Wetterdienst zahlreiche TV- und Radiosender in Deutschland. Zusätzlich veranstaltet der Saseler den ExtremWetterKongress. Das macht ihn zu einem Klima(Wandel)experten. Lesen Sie, warum die Lage so dramatisch ist und was dagegen zu tun ist. Wetterprofi Frank Böttcher aus Sasel: 12 MAGAZIN Frank Böttcher bietet spannende Fakten rund um Wetter und Klima, z.B. auf wetterspiegel.de. Fortsetzung auf Seite 14 Alstertal-Magazin: Aktuell ist auf- grund der von Fritz Vahrenholt angestoßenen Diskussion um die Kalte Sonne das Ausmaß des Klima- wandels im Gespräch. Ist alles gar nicht so schlimm? Frank Böttcher: Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Sonne Schwankungen in der Energieausstrahlung hat. Diese sind in allen das Klima betreffen- den Rechenmodellen enthalten. Vahrenholt versucht sich nun als Gegner dieser Modelle zu positionieren. In diesem Zusammen- hang muss man wis- sen, dass die Ener- giekonzerne bei der Umstellung auf al- ternative Energien sehr große Prob- leme bekommen werden ... Wegen der Kosten des Netzes ... Richtig. Und weil sie die Atomkraft- werke abschalten müssen. Einer, der ganz besonders darunter leidet, ist die RWE. Fritz Vahrenholt ist jetzt bei der RWE, deswegen wundert mich sein Buch gar nicht. Es gibt Zahlen, die besagen, dass es in den letzten 10 Jahren keine Klimaerwärmung mehr gab. Das stimmt schon und ich sage: Schön, dass die Erwärmung stag- niert. Aber, in diese Zeit fallen sieben der acht wärmsten Jahre seit 1880 und es ist damit das wärmste Jahr- zehnt seit der Wetteraufzeichnung. Wir sind also auf einem beunruhi- gend hohen Niveau. Die Darstellung der Forschung durch Klimamodelle bezieht sich immer auf den aktuellen Wissensstand. Trotz dieser Ergebnisse kann nie- mand die Natur perfekt abbilden. Neue Modellrechnungen werden eher besser als schlechter sein, so wird etwa künftig die Vegetation der Erdoberfl äche in die Berechnungen mit einbezogen. Die hat große Einfl üsse auf die Klimaent- wicklung. Warum wurde dies bis- her nicht getan? Es ist kompliziert und es dauert Jahre, bis solche Zu- sammenhänge verstanden und wissenschaftlich abgesichert sind. Zusätzlich dauert es lange, derartige Ergebnisse in die bestehenden Kli- mamodelle hineinzurechnen. Klima- gase wie Methan sind in ihnen bisher nicht als eigenes Element mit ihren speziellen Wirkungen enthalten. Man hat ihre Auswirkungen über einen Anteil im CO ermittelt. Welche Auswirkungen hat das? Eine wesentliche Folge werden genauere Berechnungen und da- mit auch belastbarere Ergebnisse sein. Viel hängt von uns ab. Jedes Klimaszenario arbeitet mit einem erwarteten Wirken des Menschen in der Zukunft. Da ist es gut möglich, dass die Ergebnisse schnellere Ver- änderungen in eini- gen Regionen der Welt zeigen, als es bisher in den Szenarien der Fall war. Eini- ges läuf t schneller ab al s vermutet. Den bisher für das Jahr 2040 in der Arktis vorhergesagt Eisstand haben wir heute schon. Es wird wärmer. Trotzdem gibt es auch sehr küh- le Jahre. Natürlich. Aber die Wahrscheinlich- keit nimmt ab! Nehmen wir Ham- burg. Gegenüber dem Zeitraum 1961-1990 ist es in Hamburg heute im Jahresmittel um etwa 1 Grad wärmer. Ein Grund sind vermehrte Süd-West-Wind-Lagen. Das bedeu- tet, warme Luftmassen kommen aus Südwesteuropa häufi ger nach Norddeutschland. Gleichzeitig sind diese auch etwas wärmer als früher. Diese Südwestlagen verdrängen also langsam die kühleren Wetterlagen. Es kommt somit häufi ger zu warmen Tagen und im Mittel steigt die Tem- peratur, trotz teilweise sehr kalter Tage, wie wir sie auch in diesem Februar erlebt haben. Also haben wir keine normalen, in der Vergangenheit auch schon auftretenden, natürlichen Kli- maschwankungen. Nein. Ein Faktor, an dem man es sehen kann, ist die Eisausbreitung in der Arktis. Sie ist 1,5 Mio. Quad- ratkilometer niedriger als zu dieser Jahreszeit üblich. Das ist der nied- rigste Stand seit Beginn der Beob- achtung für diese Jahreszeit. Die F- o- t- o- : w- e- t- t- e- r- s- p- i- e- g- e- l- .- d- e